Kreuzweg

Es folgt eine Einführung unseres Pfarrers zur Zeit der Entstehung des Kreuzwegs, Sigisbert Schwind, und sein Gebetstext, der auf die Darstellung der Stationen Bezug nimmt sowie kursiv weitere Erläuterungen der Darstellungen.

Kreuzweg der Katholischen Kirchengemeinde „Zur Heiligen Familie" Göppingen-Faurndau

— Kurze Entstehungsgeschichte des neuen Kreuzweges von Helmut Lutz —
Als ich im Jahre 1986 als Pfarrer nach Faurndau kam, sammelte die Gemeinde gerade für einen neuen Kreuzweg. Denn bei der Einweihung der Kirche im Jahre 1961 schenkte Weihbischof Wilhelm Sedlmaier der noch jungen Pfarrei kleine, schlichte Holzschnitte als Kreuzwegbilder von dem Künstler Professor Johannes Wohlfahrt aus Rottenburg; diese schwarz-weiß Drucke waren nur als Notlösung gedacht.
1987 wurde die Dringlichkeit einer Gesamtrenovation von Kirche und Gemeindezentrum erkannt. Für die gesamtkünstlerische Gestaltung der Kirche konnte der Bildhauer und Maler Helmut Lutz aus Breisach gewonnen werden. Seine neue Raumgliederung ergab „Kreuzwegrauten" im Innenraum der Kirche, die sich bewußt vor der Kirche an der Fils — im Sinne alter Kreuzweghäuschen — fortsetzen. Die christliche Botschaft wird damit ganz real hinaus in die Welt getragen und zugleich auch ökumenischer Geist auf den Weg gebracht.

Nachdem auch die Stadt Göppingen das Vorhaben begrüßte, gestaltete sie den Fußweg von der Filsbrücke bis zur Kirche im Einvernehmen mit Künstler Lutz. So stehen jetzt die ersten vier Kreuzwegstationen am Weg zur Kirche und diese sind witterungsbedingt in Stein gearbeitet.
Durch großzügige Spenden war es möglich, diesen künstlerisch wertvollen Kreuzweg zu erstellen. Helmut Lutz verstand es, zeitgeschichtliche Ereignisse  in die Kreuzwegstationen miteinzubinden,
Mögen diese Stationen die Vorübergehenden zum Nachdenken anregen und den Betern eine Hilfe sein zu einem erfüllten Leben und zum vertiefenden Betrachten des Leidens Jesu, das wünscht

Ihr Pfarrer (Sigisbert Schwind)

 

Der Kreuzweg unseres Herrn Jesus Christus

V Herr Jesus Christus, wir haben uns versammelt, um betrachtend die Stationen Deines Kreuzweges zu gehen, vom Hause des Pilatus bis hinauf nach Golgotha.

A Herr, Du sprichst auch zu mir: "Wer mein Jünger sein will, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach." So will ich Deinen Spuren nachgehen. Öffne meine Augen, damit ich sehe, wie groß Deine Liebe zu mir und zu allen Menschen ist, und wie Du heute mitleidest mit allen, die ein Kreuz zu tragen haben. Sprich mich an durch Dein Leiden und lass mich erkennen, was ich tun soll aus Liebe zu Dir, der Du lebst und herrschest in Ewigkeit. Amen.

Lied (währenddessen: Gang zur 1. Station neben der Filsbrücke)

1. Station: Jesus wird von Pilatus zum Tode verurteilt.

Lektor:

Wir schauen auf den mit Geißelhieben gezeichneten Arm von Jesus. Das Spottzepter wurde ihm in die Hand gedrückt. Sie setzten ihm eine Dornenkrone als Spottkrone auf und doch zeigt die richtige Krone: Jesus ist der wahre König der Welt. Pilatus taucht seinen Arm in die Wasserschale und meint, so seine Schuld leicht abwaschen zu können; wie oft versuchen auch wir dies? Der Hahn will uns davor warnen; aber wir wollen ihn lieber mit Stacheldraht wegsperren, damit wir ihn nicht hören.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Herr, Du hast gesagt: „Ich bin der Sohn Gottes!"; dafür wurdest Du verurteilt. Wieviele Menschen werden heute noch unterdrückt, weil sie an Dich als den Sohn Gottes glauben, werden vertrieben und getötet? Steh Du ihnen bei und gib, dass alle Länder der Welt die Religionsfreiheit achten und Gerechtigkeit sich ausbreite unter den Völkern.
V Herr Jesus Christus, um uns zu retten, hast Du das Todesurteil des Pilatus auf Dich genommen. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

In der linken Hälfte der Raute erkennen Sie einen Arm, dessen Wunden auf den gegeißelten Jesus hinweisen. Dieser Arm hält einen Stab in der Hand, der sich verschieden deuten lässt:
- zum einen als Stab, der als Zeichen der Verurteilung über einem Angeklagten gebrochen wird. - das Spottzepter (Math. 27, 28-30)
- zum anderen als Herrscherstab: Jesus ist trotz seiner Verurteilung der Sieger über den Tod (das Flammensymbol am Stabende sieht ähnlich aus wie die „Flamme der Liebe" über dem Tabernakel.)
Der Hahn in dieser Rautenhälfte weist auf die Verleugnung Jesu durch Petrus hin und mahnt auch uns zur Wachsamkeit.
Die Dornenkrone in der rechten Hälfte der Raute deutet wieder den gequälten Christus an. Eine Hand wird von einer Schraube gehalten und gedreht und taucht in ein Wasserbecken ein. Die Hand des Pilatus, denn dieser "ließ Wasser bringen, wusch sich vor allen Leuten die Hände und sagte: Ich bin unschuldig am Blut dieses Menschen. Das ist eure Sache!" ( Matthäus 27,24). Die Hand des Pilatus setzte also den Mechanismus des Bösen in Gang, der Jesus auf seinem Leidensweg weitertreibt bis zum Tod am Kreuz. Doch tauchen nicht auch wir unsere Hand beim Kircheneintritt in Wasser und erinnern uns dabei an unsere Taufe und an das Abwaschen der Schuld dadurch? Wird dies heute nicht auch oft mechanisch, ohne Nachdenken - als leeres Zeichen - getan? Und wieviele waschen heute leichtfertig ihre Hände in Unschuld. Darüber nachzudenken ist "unsere Sache" - um mit Pilatus zu sprechen!

 

2. Station: Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schultern.

Lektor:
Dem verwundeten Jesus wird die Last des Kreuzes aufgelegt, anstatt ihm einen Verband anzulegen, wird er weiter geschlagen. Heute drücken schwere Panzer und moderne Waffen wie ein Kreuz auf die Schultern der Menschen. Auch Krankheit und „am Stock gehen müssen" können zur Kreuzeslast werden.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Auch in unseren Tagen werden Menschen Kreuze aufgelegt, ob durch Krieg oder Krankheit, durch Katastrophen oder Unfälle. Wir wissen, Du trägst aus Liebe auch diese Kreuze mit, denn Du gehst mit uns heute und alle Tage bis in Ewigkeit. Amen.
V Herr Jesus Christus, Du hast unsere Sünden mit Deinem Kreuz getragen. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Jesus wird das Kreuz aufgelastet, es drückt ihn nieder. Auch heute werden Menschen mit Panzern und Waffengewalt niedergewalzt. Die Wunde am Arm deutet darauf hin, wie Jesus geschlagen wird, anstatt die Menschen ihm und allen Verwundeten eine Binde anlegen. Für uns ist auch Alter, Krankheit und Beschwerden ein Kreuz, darauf deutet die alternde Hand und der Stock hin.

 

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

Lektor:
Ein Zahnkranz drückt die Dornenkrone mit der verwundeten Hand unter das Kreuz. Die Last wird zu schwer. Heute werden Menschen durch Kündigung des Arbeitsplatzes oder Geldnot zu Boden gedrückt. In der dritten Welt sind durch geringe Entlohnung Menschen, wie die Kaffeepflückerinnen, wie angegekettet.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Herr, das Kreuz ist zu schwer für Dich und doch trägst Du es für uns. Jedes Leid kann uns zu Fall bringen, denn wir sind für das Glück geschaffen. Haben wir schon über Menschen gespottet, die am Boden liegen? Herr verzeihe uns und gib uns die Kraft, jedem zu helfen, wieder aufzustehen. Amen.
V Herr Jesus, Du bist nach dem ersten Fall aufgestanden und hast Dein Kreuz weitergeschleppt. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Sie sehen einen Zahnkranz und die Dornenkrone wie sie ineinander greifen und die verwundete Hand niedergedrückt unter dem Kreuz. Jesu Fall unter dem Kreuz geht auch heute weiter, wenn durch Automatisierung Kündigungen ausgesprochen werden und Geldnot herrscht. Noch mehr drückt dies auf die 3. Welt, wo Menschen buchstäblich angekettet sind und ihre geringe entlohnung für schwere und stundenlange mühselige Arbeit nur geringe Entlohnung erhalten.

4. Station: Jesus begegnet seiner Mutter.

Lektor:
Wir sehen links das Haupt Jesu; er trägt auch die Leiden der schrecklichen Kriege in unseren Tagen. Jesus will mit seiner Hand die Qualen vor seiner Mutter verbergen, aber die Dornenkrone liegt auch auf ihrem Haupt, sie trägt alles mit. Beide sind zusammengepfercht und doch getrennt, wie Menschen hinter dem Stacheldraht. Aber trotz allem erblüht die Rose der Hoffnung aus einem abgeschlagenen Ast.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Jesus, Du hast gespürt, wie gut es tut zu wissen: die Mutter weiß um mein Leid und trägt es mit. Sie hat die Menschenfurcht überwunden und hat sich zu Dir bekannt. Hilf uns, den rechten Blick zu haben und zu spüren, wo Menschen unsere Nähe und unseren Trost brauchen. Amen.
V Herr Jesus, der liebende Blick Deiner Mutter hat Dir Kraft gegeben auf dem Kreuzweg. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Hier sieht man das Haupt Jesu. Erträgt auch die Leiden der schrecklichen Kriege (Kosovo 1999). Jesus will mit seiner Hand vor dem Gesicht sein Leiden vor der Mutter verbergen. Aber Maria weiß darum und trägt es mit, daher geht die Dornenkrone auch über ihr Haupt. Beide sind zusammengepfercht und doch getrennt, wie Menschen hinter dem Stacheldraht. Aber die Rose der Hoffnung blüht am Stacheldraht.

5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.

Lektor:
Jesus konnte die Kreuzeslast nicht mehr tragen, da zwangen die Soldaten Simon von Cyrene, Jesus das Kreuz tragen zu helfen. Hier sehen wir aber zwei Jungen und ein Mädchen, die das Kreuz mittragen. Es sind Ministranten unserer Gemeinde mit ihrem Rauchfass, die Jesus dienen wollen, auch im Mittragen seines Kreuzes.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Jesus, auf vielfältige Weise brauchst Du auch heute unsere Hilfe. Lass uns offene Augen haben, um zu sehen, wo wir Mitmenschen helfen können, auch wenn wir nicht dazu aufgefordert werden. Amen.
V Herr Jesus, wo hast Du von mir Hilfe erwartet und ich habe nicht geholfen? Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

In der linken Raute erkennen Sie den Arm Jesu, der einen Kreuzesbalken trägt und die große Dornenkrone.
In der rechten Rautenhälfte stützt aber kein Simon von Cyrene den Kreuzesbalken!
Es sind unsere Ministranten, die Jesus die Last erleichtern und das Kreuz mittragen wollen. Hier muß dazugesagt werden, daß unsere Ministranten diese Station des Kreuzweges gespendet haben. Daher 2 Buben und 1 Mädchen und 1 Rauchfaß - es ist eine genaue Kopie des Weihrauchfasses, das unsere Ministranten beim Gottesdienst verwenden.(Eine kleine Randbemerkung: Wenn man weiß, daß eine Station regulär etwa 20 000 DM kostet, dann weiß man, was wir unseren Ministranten zu verdanken haben. Herr Lutz hat sie ihnen für DM 18000.-- übergeben. Sie haben die erforderliche Summe in weniger als zwei Jahren durch Spenden und Aktionen aufgebracht! Respekt!)

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch.

Lektor:
Veronika sieht, wie Jesus leidet, wie er geschlagen wird. Ihr Haar sträubt sich, wird ähnlich der Dornenkrone. Ihr Mitleid drängt sie, auf Jesus zuzugehen, auch wenn andere sie verspotten; sie bietet Jesus ein Tuch an, um Blut und Schmutz abzuwischen. Als Dank erhält sie von Jesus sein „Passbild", das aussagt: „Ich leide für euch, weil ich euch liebe, um euch zu erlösen." Wir sehen daneben einen deutschen Pass. Was sagt mein Passbild aus? Setze ich mich für andere ein? Und Jesus fragt uns im Blick auf die Europafahne: „Was tut ihr als Europäer für andere Länder, die in Not sind?"
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Veronika hat Dich trotz Deines entstellten Antlitzes erkannt und sich auf Deine Seite gestellt. Sie hat Dir einen Liebesdienst erwiesen. Lass uns in den leidenden Gesichtern unserer Mitmenschen Dich erkennen und helfen. Dann wirst Du uns im Weltgericht sagen: „Was ihr einem meiner geringsten Schwestern und Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." (Mt 25, 40). Amen.
V Jesus, Dein heiliges Antlitz zeigt Deine große Liebe. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Als Dank für diese Liebestat erhält Veronika im Schweißtuch das "Paßbild Jesu", sein Erkennungszeichen, seinen Ausweis: "Ich bin es", der Dich erlöst. Ihr Name „Veronika" setzt sich aus den griechischen Worten zusammen: vera ( = wahres) und eikon ( = Bild), also wahres Bild Jesu. Sein Paßbild trägt die Dornenkrone. Er ist unser Erlöser, unser HeiLand. Welches Erkennungszeichen trägt mein Paßbild?
Wie zeige ich mich den Menschen, wie setze ich mich für den anderen ein?
Die Europafahne ragt links über die Kreuzwegstation hinaus mit der Frage, welches "Paßbild" trägt Europa, ist es ein Helfer für unsere Gesellschaft und auch für andere Völker?

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz.

Lektor:
Mit ausgestreckter Hand sucht Jesus Halt in seinem Fallen. Statt ihm mit einer stärkenden Bluttransfusion zu helfen wird er nochmals geschlagen. Er fällt für alle, die eine schwere Krankheit zu tragen haben: daher reicht seine Dornenkrone hinüber in ein Krankenbett. Auch diese Kranke sucht Halt und Hilfe; kann sie das von einem Telefon erwarten?
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Herr, wie viele Schwerkranke erwarten Hilfe von Ärzten und Schwestern, von Angehörigen und Bekannten? Lass uns hellhörig sein auf ihre Hilferufe; mach auch allen Kranken bewusst, dass sie durch ihr Leiden Dein Kreuz mittragen. Amen.
V Herr Jesus Christus, so viele Menschen werden unter der Last ihrer Krankheit fast erdrückt. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Obwohl bei der 5. Station Simon von Cyrene gezwungen wurde, das Kreuz mitzutragen, ist Jesus so geschwächt, daß er zum 2. Mal fällt. Seine Hand streckt er hilfesuchend aus, um nicht zu hart zu stürzen. Die Wunden am Arm und im Gesicht zeigen den gequälten Körper. Die Dornenkrone sticht in das Haupt und in das Gesicht. Der Mund ist schmerzverzerrt geöffnet. Hämische Spottrufe begleiten ihn, anstatt daß die Menschen ihm helfen, dem Geschundenen, Geschlagenen, dem Kranken. Er bräuchte nach dem großen Blutverlust eine erfrischende Bluttransfusion ( siehe Blutkonserve), einer Hilfe, der viele Kranke bedürfen, die darniederliegen. Daher geht die Dornenkrone in das Krankenbett über, in dem ein Schwerkranker leidet. Auch benötigt er oft Hilfe über das Telefon, sei es durch die Schwestern, den Arzt oder durch die Angehörigen. Ist nicht auch das Kranksein ein Kreuztragen, fühlen sich nicht manche Kranke wie zusammengebrochen unter der Last dieses Kreuzes? Jesus weiß um diese Schmerzen, um die Ängste und Sorgen der Kranken. Er trägt sie mit auf seinem Kreuzweg.

8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen.

Lektor:
Die Dornenkrone reicht hinüber zu den beiden Frauen; sie haben Mitleid mit Jesus und weinen. Jesus spricht: „Weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder." (Lk 25, 28). Will Jesus hinweisen auf das Leid, das durch die Sünde in die Familien und in die Welt kommt? Eine Frau reicht Jesus eine große tropfende Träne, gleichsam das ganze Leid der Welt. Jesus nimmt sie an, er trägt alles Leid mit.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Herr, Du bist an den klagenden und weinenden Frauen nicht achtlos vorübergegangen. Nein, Du hast sie angenommen und verstanden: Trotz Deiner Schmerzen wolltest Du sie weiterführen. Sie sollten selbst versuchen umzukehren, umzudenken und zu fragen: „Auf welchen Weg will Gott mich und meine Kinder leiten?" Amen.
V Jesus, wieviel Leid verursachen wir durch unsere Sünden und durch ein schlechtes Vorbild für unsere Kinder? Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Die rechte Rautenhälfte zeigt uns weinende Frauen. Die eine wendet ihr tränenübeströmtes Gesicht Jesus zu und überreicht ihm eine riesenhaft vergrößerte Träne als Zeichen ihres Leides. Jesus nimmt diese Träne und trägt das Leid der ganzen Welt ( siehe auch verbindende Dornenkrone).Die andere wendet sich ihrem Kind zu, das leblos in ihren Armen zu liegen scheint. Jesus in der linken Rautenhälfte wendet seine Blicke aber auch uns, den Betrachtern zu und scheint eine Frage zu stellen. Welche wohl? Vielleicht: "Seht ihr dieses Leid? Was tut ihr dagegen?" Oder sagt er auch zu uns: "Weint nicht über mich, weint über euch und eure Kinder!"(Lukas 23,28)

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

Lektor:
Noch schlimmer fällt Jesus unter der Last der Sünden; sein Haupt ist verbunden gleich einem Verwundeten durch Krieg, Terror, Unfall oder einem in die „Gosse Gefallenen". Wie viele „Gefallene", Schwache und Kranke werden im Krieg und in Diktaturen gedemütigt, in Lagern verachtend behandelt, niedergetreten „bis aufs Mark"? Dies deuten die Männerstiefel und der Frauenschuh an, die auf die Knochen treten. Was tut das Böse in uns mit „Gefallenen" in unserer Gesellschaft? Sollten wir nicht helfen, sie aufzurichten, zu verbinden und zu heilen?
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Herr Jesus Christus, bei diesem dritten Fall siehst Du, wie grausam Menschen zueinander sein können. Du fällst für alle rücksichtslosen, hartherzigen und grausamen Menschen, um sie zur Umkehr zu bewegen. Du hast Dich auf die Seite der „Ausgestoßenen" der Gesellschaft gestellt; du hast sie berührt und geheilt. Amen.
V Wenn wir verachtend über andere gedacht und sie gedemütigt haben, bitten wir:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

In der linken Hälfte erkennt man Jesus, der seinen Sturz mit dem Arm abfängt. Aber noch im Fallen (Symbol für alle „Gefallenen“ = verbundenes Haupt!) scheint er von den Soldaten niedergetreten und gestoßen worden zu sein. Doch es sind nicht römische Soldatensandalen, die wir in der rechten Rautenhälfte sehen. Es sind vielmehr moderne Soldatenstiefel, wie sie heute auch von vielen „Zivilisten“ als modisches Beiwerk getragen werden – und es sind Stöckelschuhe! Sie werden angetrieben von  einem Räderwerk – einem Mechanismus des Bösen. Darauf deutet die Schlange, die buchstäblich wie ein Schalthebel das Ganze in Gang setzt. Aber die Menschen sollten „Gefallene“ verbinden = Wundbinde. Der Künstler scheint uns hier daran zu erinnern: Überall dort wo heute Menschen in der Macht des Bösen gequält und erniedrigt werden, dort leidet Jesus noch heute.

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt.

Lektor:
Grausam reißen rohe Hände Jesus die Kleider vom Leib; über sein nahtloses Untergewand aber würfeln die Soldaten. Heute wird Hab und Gut weggerissen mit roher Gewalt und mit Waffen, wie es in allen Kriegen geschieht: so auch im Jugoslawienkrieg 1994/95, als diese Kreuzwegstation entstand. Dabei wurde nicht über ein Gewand gewürfelt, sondern über Länder, wie es die Nationalfahne mit den Würfeln andeutet.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
VLasset uns beten:
A Herr Jesus Christus, mit roher Gewalt wurdest Du entblösst und der gaffenden Menge zur Schau gestellt. Die Wunden der Geißelung begannen neu zu bluten. Wie grausam gehen Menschen miteinander um, wenn ihnen Macht in die Hand gelegt wird und dazu noch Waffen? Wieviel Lieblosigkeit zieht sich durch die Geschichte der Menschheit? Und Du hast dies alles für uns erlitten. Amen.
V Wie oft waren wir schon unbeherrscht und lieblos anderen Menschen gegenüber. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Diese Station entstand, als im ehemaligen Jugoslavien der schreckliche Krieg zwischen Serben, Kroaten und Muslimen tobte. Man sieht Jesus, dem man die Kleider vom Leib fetzt, aber man sieht auch moderne Waffen. Das Gewand, um das die Knechte würfeln ist eine Nationalflagge. Auch heute noch werden Menschen ihrer Würde beraubt, ihnen Hab und Gut weggerissen. Um Land und Leute wird buchstäblich gewürfelt, gefeilscht und gespielt.

11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt.

Lektor:
Welche Schmerzen hat Jesus ertragen, als mit dumpfen Hammerschlägen die langen und starken Nägel durch die Hände und Füße getrieben wurden? Heute sind es exploderende Bomben, die vielfachen Tod bringen. Hinter allem aber steht der Böse im Zeichen der Schlange, der das Räderwerk des Krieges und des Tötens in Gang hält. Diktatoren und Kriegsverbrecher versuchen zur eigenen Propaganda wie mit einer Tuba viel Lärm zu machen. Der Befehlsgeber zu den Grausamkeiten schaut weg, wie der Kopf auf der Raute, und versteckt sich hinter einer Sonnenbrille. Er glaubt eine Zigarre zu rauchen, aber es ist der eigene Todesnagel.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Herr Jesus Christus, eine Blutspur des Tötens haben wir Menschen ins Buch der Geschichte gezeichnet. Durch Dein Sterben willst Du dieses Töten beenden und uns Menschen zur Vernunft und Versöhnung rufen. Aber unter dem Lärm der Propaganda geht Dein Wort der Liebe immer wieder unter. Amen.
V Wie vielen von uns fällt es schwer Untaten zu verzeihen und zu vergessen. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Diese Station zeigt „nur“ eine Hand und einen Fuß Jesu, der angenagelt wird. Aber sie zeigt auch den gnadenlosen Hammer, der heute in eine Bombe übergeht und explodiert um Menschen zu töten. Auch heute noch werden Menschen zu Unrecht getötet, wie Jesus. Und wer ist es, der solche Befehle zum Töten gibt? So ein Boss oben über der linken Rautenhälfte, der sich vom Leid abwendet. Oder scheint er nicht sogar das Leid zu genießen, so wie andere eine Zigarette? Er hat das Räderwerk des Bösen (Schlange) in Gang gesetzt. Können wir es stoppen? Das Böse ist überall in unserer Welt zu finden und es macht viel Lärm wie eine Tuba. Hitler deuten wir an mit seinen Aufmärschen und andere und heute?

12. Station: Jesus wird am Kreuz erhöht und stirbt.

Lektor:
Mächtig ist das Kreuz aufgerichtet, weil es eine Großtat der Liebe Gottes zu uns Menschen ist. Hier erfüllt sich, was Jesus beim Abendmahl vorausschauend sprach: „Das ist mein Blut, das Blut des neuen und ewigen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden."
Am Kreuz vernichtet Jesus die Sünde von uns Menschen, denn so spricht Paulus: "Er hat den Schuldbrief, der gegen uns sprach, durchgestrichen und dadürch getilgt, dass er ihn ans Kreuz geheftet hat." (Gal 2, 14 f). Daher sehen wir in den beiden Rundformen oben rechts und links die blutenden Handwunden Jesu, mit denen er unseren Schuldschein ausgelöscht hat.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Herr Jesus Christus, unbegreiflich ist Deine und des Vaters Liebe zu uns Menschen, weil Du trotz häufiger Treulosigkeit nochmals einen Liebesbund mit uns Menschen geschlossen hast. Jetzt erwartest Du von uns eine Antwort der Liebe. Amen.
V Vor Deinem Kreuz Jesu bereuen wir alle unsere Lieblosigkeiten und Sünden. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt.

Lektor:
Hier liegt nicht der Leichnam Jesu auf dem Schoß der Mutter. Nein, Maria umfängt mit ihren Händen die beiden Fußwunden ihres Sohnes wie ein Schild des Glaubens (Eph 6, 16); sie steht ganz zu ihm, auch unter der Schande des Kreuzes und versucht, mit ihrer Hand den Nagel aus seiner Fußwunde zu ziehen. Dazu trägt sie das Kreuz ihres Sohnes mit; so liegt auf ihrem Rücken ein Balken und das Kopftuch wirkt wie ein Helm des Heiles (Eph 6, 17), ihre Haare ähneln der Dornenkrone.
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich. 
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Herr Jesus Christus, Deine Mutter hat zu Dir gestanden bis unter das Kreuz. Mitten in Deinem Sterben sorgst Du noch für Deine Mutter und hast sie Deinem Lieblingsjünger Johannes anvertraut. Zu ihm hast Du gesagt: „Siehe deine Mutter!" (Joh 19, 27). Ist sie dadurch nicht auch uns allen zur Mutter geworden? Amen.
V Haben auch wir im Leiden und in schweren Tagen die Kraft der Treue wie Maria? Wir bitten Dich:
A Erbarme dich über uns und über die ganze Welt.

Diese beiden Stationen (12 und 13) sind im großen Kreuz dargestellt. Das Kreuz mit den blutenden Wundmalen steht für den sterbenden Christus. Die Kreuzabnahme erkennt man in der Raute am Fuß des Kreuzes. Maria umfasst weinend die Fußwunden Jesu und versucht schmerzerfüllt einen Nagel aus der Fußwunde zu ziehen. Auch Maria trägt das Kreuz Jesu mit, sie leidet mit ihrem Sohn und ihr Schleier ist wie ein Helm des Heiles ( Eph. 6,17) und ihr Haar gleicht der Dornenkrone ihres Sohnes.

14. Station: Der Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt.

Lektor:
Wir sehen hier nicht mehr den toten Leichnam Jesu, sondern nur das leere Grab. Drei Nägel und Teile der Dornenkrone blieben zurück; auch Schweißtuch und ein ordentlich zusammengelegtes Leinentuch sind Zeugen der Auferstehung Jesu, wie es der Evangelist Johannes bezeugt (Joh 20, 5).
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasset uns beten:
A Der Tod konnte Dich, Jesus, nicht im Grab zurückhalten, denn Du hast den Tod besiegt. Auch hast Du gesagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht." (Joh 12, 24). Uns hast Du durch Deinen Tod das neue Leben in der Ewigkeit erschlossen; dafür danken wir Dir. Amen.
V Oft zeigen wir Angst vor dem Sterben. Stärke uns im Glauben an die Auferstehung. Wir bitten Dich:
A Erbarme Dich über uns und über die ganze Welt.

Am Sockel des Kreuzes finden wir eine Art Grabeshöhle. Doch wir sehen bereits nicht mehr den Leichnam Jesu. Stattdessen erkennen wir die Nägel und die Leinenbinden, säuberlich zusammengerollt. Außerdem zu erkennen ist das "Schweißtuch", das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle (Johannes 20,6) Unser Kreuzweg zeigt also das Grab nach der Auferstehung. Dies passt besonders gut, denn unser Kreuzweg besitzt sogar noch eine weitere Station!

15. Station: Jesus ist vom Tode auferstanden.

Lektor:
Aus dem Grab streben Messingstangen nach oben und deuten auf die Auferstehung Jesu hin. Sie enden in einer rium h. erend.en Auferstehungsfahne über dem mächtigen Kreuz. Dort erstrahlt in der dritten Rundform. das Kreuz in den Wolken und weist hin auf das Wort Jesu: „Ihr werdet den Menschensohn zur Rechten der Macht sitzen und mit den Wolken des Himmels kommen sehen." (Mk 14, 62).
V Wir beten Dich an Herr Jesus Christus und preisen Dich.
A 'Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.
V Lasst uns nun den Auferstandenen preisen und anbeten.
Segen
P (V) Der Herr sei mit Euch (uns)
und mit Deinem (unserem) Geiste
P (V) Im Siegeszeichen des Kreuzes segne Euch (uns) der dreifaltige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Sehen Sie die Siegesfahne, die über dem Kreuz schwebt? Jesus hat den Tod überwunden., er ist Sieger über Sünde und Tod! Nicht viele Kirchen besitzen diesen tröstlichen Abschluss des Kreuzweges, viele bleiben beim Tod und Leid stehen.